Der bestehende Stand der Forschung bietet eine ausführliche Analyse der Entstehung von Vorstellungen und Titel, mit derer Hilfe der urchristliche Glaube zum Ausdruck gebracht wurde. Es handelt sich vor allem um die Auferstehungs- und Erhöhungsvorstellung. Beides hat das Urchristentum nicht neu geschaffen, sondern übernommen, und zwar von seiner hellenistischen und jüdischen Umwelt. Später kam es zu einer Vergegenstädlichung von diesen Vorstellungen, die eine Form der Legende vom leeren Grab und der Legende von der Himmelfahrt aufgenommen haben. Die andere Linie der Selbstdeutung des christlichen Glaubens folgte die christologischen Titel. Auch diese wurden übergenommen und auf Jesus transformiert. ...
Das Christentum, das eine von der Saulen der europäischen Kultur darstellt, transformierte und überreichte der europäischen Kultur die Erbe der Antike, so wie auch die der Religion des alten Israels, und brachte dazu auch eigenen Beitrag zu. Obwohl manches von der Auffassung der Welt, des Lebens und des Menschen in den Formationen der europaischen Kultur der christlichen Tradition gegenüber polemisch und selbständig formuliert wurde, kann man doch die christliche Herkunft dieser Werte in verschiedenen Schichten der christlichen Tradition feststellen. Auch die säkuleren Werte Europas sind von dieser Quelle abzuleiten. Ja sogar - in Anspielung an Fr. Gogarten - kann man auch heute die These, Säkularisation sei ein Kind gerade der jüdisch - christlichen Tradition, gut verantworten. Die Pluralität des Christentums vom seinem Anfang an ermöglichte manchmal, daß auch gegenseitige Werte und Lebenseinstellungen sich an ihre christliche Herkunft berufen können. Als Kernpunkte sind folgende Komponenten erwähnt: Die Welt als Materie und Geschichte; Statische und dynamische Auffassung der Autorität; Strömen zur Hoffnung; Ethik der Prinzipien und situationsgemäße Ethik; Der Mensch als Individuum; Freiheit im individuellen und gesellschaftlich-politischen Bereich; Die soziale Dimension der Wirklichkeit; Menschengleichheit und Demokratie; Leben als anvertraute Gabe; Sünde und Vergebung; Gnade und Opfer.